new environments of mobility

Mobilität für alle

Markus Ostertag

Architekt

www.ostertagarchitects.com

Wie bist Du hier her gekommen?
Mit der Strassenbahn.Ich wähle das Verkehrsmittel sehr spontan, abhängig von meinem Ziel, der Tageszeit und worauf ich gerade Lust habe, in Wien zumeist die Öffis, Car-Sharing oder privates Auto. Wenn ich beruflich unterwegs bin, fahre ich immer mit der Bahn.

Was meinst du konkret mit Mobilität für alle?
Es ist aus meiner Sicht als eine gesellschaftspolitische und soziale Aufgabe zu verstehen, den öffentlichen Verkehr genauso wie Bildung und medizinische Grundversorgung als eine der wesentlichsten Säulen unserer Gesellschaft zu sehen, als Teil staatlich organisierter und politisch gewollter Infrastruktur. Je mehr sich eine Gesellschaft dazu bekennt und es als Kapital betrachtet, einen funktionierenden öffentlichen Verkehr zu haben, desto besser wird er funktionieren und geschätzt werden.

Mobilität braucht Identifikation?
Identifikation ist ein sehr wesentlicher Punkt. Um den öffentlichen Verkehr qualitativ hochwertig und attraktiv zu machen und zu halten, müssen sich alle an dem Projekt beteiligen. Mobilität braucht integratives Planen und Denken, partizipative Prozesse, Engagement, Offenheit und intelligente Beteiligungsmodelle.  Qualität ist ein wesentlicher Faktor um Akzeptanz, Identifikation und Freude zu schaffen. Ein Pendler muss von der Haustür bis zum Arbeitsplatz eine Mobilitätskette vorfinden, die funktioniert. Er wird eventuell dreimal umsteigen müssen, diese Wechsel müssen aber schnell, reibungslos und angenehm funktionieren.

Gelten die gleichen Standards für große und kleine Stationen?
Es gibt in Österreich neun Landeshauptstädte mit großen Bahnhöfen und es gibt über 1000 Stationen, die mittelgroß und klein sind. Daran sieht man die Gewichtung – die kleinen Stationen sind ein wichtiger Qualitätsfaktor der Bahn und es wäre ein fataler Fehler, ihnen weniger Bedeutung einzuräumen, sie sind nur in Bezug auf Größe und Frequenz anders zu bewerten. Jeder Passagier hat Anspruch auf eine durchgängige Qualität. Grundausstattung und Funktionsablauf einer Station sollten identische Merkmale aufweisen. Das erleichtert die Orientierung und gibt Sicherheit und kann mit einfachen Mitteln erreicht werden: idente Bahnsteige, Ausstattungen, Lifte, Rolltreppen, Wegeleitsysteme. Regionale und stadträumliche Individualisierungen können und sollen stattfinden, nur eben außerhalb dieser funktionalen Kernzonen. Das Äußere des Gebäudes und der Vorplatz sollen den Ort, die Landschaft und die topographischen Verhältnisse reflektieren, die funktionellen Einrichtungen und Schnittstellen-Struktur bleiben jedoch ident.

Wie schauen die Wartebereiche aus und was passiert dort?
Primär ist ein Wartbereich ein thermisch geschützter Raum zum Aufenthalt während des Zeitraums, den man benötigt um Verkehrsträger zu wechseln. Doch das allein reicht nicht aus! Die Bedürfnisse und Erwartungen sind so unterschiedlich, wie die wartenden Menschen selbst!  Jeder wünscht sich etwas anderes, nur Information möglichst in Echtzeit und WLAN wollen alle! Es muss Zonen des Rückzugs ebenso geben, wie solche, wo Interaktion stattfinden kann, also jemanden treffen, Kaffee trinken, etwas einkaufen, wo Kunden sehr zurückgenommen „unterhalten“ werden, wo Filme laufen und Informationen über die Umgebung und Nachrichten abrufbar sind. Das bedeutet für mich als Planer, auf sehr eingeschränktem Raum ein Maximum an diversem Angebot gut unterzubringen.

Was wünschst du dir beim Warten?
Ich wünsche mir, dass ich eine Situation vorfinde, in der ich arbeiten, eine Zeitung lesen oder einen Film anschauen kann. Wenn ich meine Zeit nutzen kann wird das Warten Teil der Reise.
Für längere Wartesituationen würde ich mir einen Raum zum Ausruhen und Schlafen wünschen.

 

 

 
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