new environments of mobility

Das Warten ist überall anders

Aida Knoettig

Architektin

www.ostertagarchitects.com

„Kannst du uns von Beispielen für Wartebereiche erzählen, die dir als Architektin besonders gefallen?“
„Ich war vor einem Monat in Paris und habe dort interessante Wartehäuschen entdeckt. Sie sind von Autolib für die FahrerInnen von Elektroautos und dienen zum Warten während des Ladens…das dauert ja im Moment noch so zwei bis drei Stunden. Diese gläsernen Kojen werden mit einem Kran gebracht und am Gehsteig aufgestellt.“

„Was machst du, wenn du wartest?“
„Nachdenken oder lesen. Beim Nachdenken ist die Transparenz des Wartebereichs sehr wichtig, um sich mit den umgebenden Dingen beschäftigen zu können. Wenn es kein Warten mehr gibt, gibt es weniger Zeit zum Nachdenken. Jeder Mensch muss nachdenken können. Auch Internet oder Laptop sind gute Hilfsmittel, um in sich zu versinken, so lässt sich das Nachdenken gut mischen mit ein wenig Arbeit, weil das Leben muss ja schließlich auch finanziert werden.“

„Ist das Warten in anderen Städten anders?“
„Ja, schon. Ich habe in Paris mehrere besondere Orte zum Warten entdeckt –
es gibt ein neues, sehr attraktives Dachdesign für Busstationen in der Stadt. Eine leicht geschwungene Aluminium-Konstruktion, wo auch ausreichend Platz für wartende Rollstuhlfahrer integriert wurde. Das absolute Highlight ist die Station am Boulevard Diderot. Hier kann man aus einer kleinen Bibliothek im Wartebereich Bücher leihen. Das ist großartig, oft fühlt man sich doch wirklich besser, wenn man etwas gelesen hat. Es gibt auch Kaffee zu kaufen und wenn der Bus mal Verspätung hat, kann man ein Fahrrad mieten.“

„Das Kontrastprogramm sind die BUS:STOPS im Bregenzer Wald. Wie gefallen sie dir?“
„Ich finde sie gut, eigentlich ein Kunstprojekt, das gleichzeitig für den Betreiber und den Tourismus große Bedeutung hat. Jeder kennt die BUS:STOPS! Unterschiedliche Aspekte der Energieautarkheit und einer intelligenten Schlichtheit sind hier sehr interessant realisiert. Ich kann mir ja vorstellen, dass die Menschen im Bregenzer Wald während des Wartens meditieren.“

„Die Identifikation der Bewohner/innen mit den Stops ist groß, verschmutzte Glasscheiben werden in Eigeninitiative gereinigt…“
„Am Land gibt es einfach weniger Vandalismus. Und es stellt sich generell die Frage, wie groß kann die Identifikation einer Bevölkerung mit ihren Wartebereichen sein? Wovon hängt es ab, wodurch entsteht sie? Was für eine Rolle spielt regionale Ästhetik?“

„Würdest du dir die BUS:STOPS auch in der Stadt wünschen?“
„Dieses Konzept kann man nicht wirklich übertragen und dafür fährt man als Städter dann am Wochenende eben aufs Land….“

 
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