new environments of mobility

Beim Warten will ich mich bewegen

Florentina Holzinger

Performerin und Tänzerin

floholzinger.wordpress.com

„Woher kommst du gerade?“
„Ich hatte gestern eine Show in Wien und jetzt gerade komme ich vom Hotel, wo ich meine Sachen abgeholt und einige Telefonate geführt habe – eigentlich komme ich von einem Telefonat, nach dem Lunch mit meinen Eltern, nach der Show…“

„Wohin fliegst du?“
„Ich fliege jetzt nach Frankfurt, um dort an einem neuen Projekt zu arbeiten.“

„Bist du viel unterwegs?“
„Phasenweise schon und das beansprucht eine Menge Zeit.“

„Was bedeutet warten für dich?“
„Ich weiß nicht, was warten ist, ich mache in meinem Leben zu viel Yoga, um in meinem Leben irgendeine Zeit wirklich als warten wahrzunehmen. Meine spirituelle Praxis besteht darin, dass ich versuche nicht zu warten… die Momente in denen nichts passiert, sind mitunter auch die produktivsten.
Ich nehme an, dass das Wort warten eine Ausrichtung auf etwas Zukünftiges impliziert. In gewisser Weise ist Warten dann unendlich, man wartet darauf, was in der nächsten Sekunde oder in der nächsten Stunde oder im nächsten Urlaub im Sommer oder bei der nächsten Show in einem Jahr passieren wird…“

„Hast du ein Ritual, um dich auf das Reisen vorzubereiten?“
„Ja, ich gehe immer in die Duty Free Shops und probiere dort die teuersten Gesichtscremen, ich habe nämlich die Paranoia, dass das Fliegen meine Moleküle so sehr angreift, dass ich um 30 Jahre gealtert ankomme…“

„Und sonst?“
„Ich bin auch ein arger Internet Addict und ich telefoniere viel – das ist auch eine Form von warten. Und ich mache meine Buchhaltung, weil ich sie dann nicht zu Hause machen muss. In diesen Zwischenzeiten, in denen ich nicht abgelenkt bin, versuche ich meine ganzen Verpflichtungen zu bewerkstelligen. Das mache ich.“

„Versuchst du beim Warten mit jemandem ins Gespräch zu kommen?“
„Flughäfen und Bahnhöfe sind super, um Leute zu beobachten und man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen… Wenn ich mit anderen, mit denen ich toure, unterwegs bin, proben wir auch gerne am Flughafen, das ist dann für andere oft lustiger als für uns selbst!“

 
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